in Nicos Blog

Der HVV ist also auf der Suche nach innovativen Ideen, vor, während und nach der Fahrt mit Bus und Bahn. Ich finde das toll. Aber! Lieber HVV, seid doch mal ehrlich zu euch selbst. Bevor ihr danach schielt, euren Fahrgästen mit weiteren Services in die Tasche zu greifen, die nur bescheiden funktionieren werden, weil eure Prozesse eine fahrgastorientierte Umsetzung nicht zulassen, wagt mal etwas ganz mutiges: schaut auf euer Inneres. Stellt euch doch einfach mal diese Frage. „Wie müssen wir uns verändern, um unsere Hamburger Fahrgäste besser zu transportieren und zufriedener ans Ziel zu bringen?“. Ein kleiner Tipp von mir: Ständig steigenden Fahrkartenpreise sorgen für das Gegenteil.

Sicher, ihr habt in den letzten 100 Jahren modernere U-Bahnen und Busse in Betrieb genommen, das Netz ausgebaut, die Barrierefreiheit erhöht und vieles mehr. Und obwohl ich meinen HVV sehr gern habe, gibt es leider ein paar Themen, bei denen auffällt, dass ihr mit dem Tempo unserer Zeit nicht mithalten könnt.

Eine App macht den HVV nicht zu einem modernen Unternehmen.

Eine App zu haben ist eine schöne Idee.Es ist keine schöne Idee, wenn die App verbuggt ist und die wichtigsten Funktionen nur unzuverlässig funktionieren. Noch unschöner ist es, wenn die App wirkt, als hätte man sie nicht gewollt und nur programmiert, weil man das heute so macht.

Für mich als Nutzer bedeutet eine App größtmögliche Flexibilität und das Bargeldlos. Statt die U-Bahn zu verpassen, weil der Automat die Münzen nicht will, hüpft man spontan rein, kauft sich und dem Freund Tickets und ist save.

In der Realität muss ich, will ich korrekt vorgehen, an der Messing farbene Linie stehen bleiben die mir sagt: „Zutritt nur mit gültigem Fahrausweis“. Während ich meine Bahn weg fahren sehe stürzt die App das erste mal ab. Wenn es klappt stelle ich fest, dass ich nur ein Ticket auf einmal kaufen kann. Das Ticket für meinen Freund muss ich separat und personalisiert kaufen. Warum weiß man nicht, dann ich kann das Ticket nicht weiterleiten. Somit bringt der Ticketkauf für den Freund nur etwas, wenn man genau den gleichen Weg hat. Steigt der Käufer des Tickets früher aus: dumm gelaufen.

ohitsanico HVV app

ohitsanico HVV app

Dann gehe doch nicht korrekt vor, sagt ihr jetzt. Aber: Ich kenne zwei Fälle in meiner näheren Umgebung, in der die App und diese Prozesse dazu führten, das man plötzlich und ohne es zu wollen Schwarzfahrer war.

Und warum ist es eigentlich immer noch nicht möglich, ein Abo auf der App zu haben? Ständig ein in Plastik gewickeltes Papierkärtchen dabei haben zu müssen ist doch sowas von 80er. Aber 1880er.

Andere Beispiele? Na klar!

F**k the U3-Ringbahn

Nehmen wir die Ringbahn, die gar keine Ringbahn ist. Also diese Ringbahn, bei der man in Barmbek nicht einfach nur das Gleis wechseln muss, wenn man aus der Schanze in Richtung Wandsbek Gartenstadt fahren möchte. Nein, man muss die Treppen runter, um die Ecke biegen und die Treppen wieder rauf. Und das alles nur, um die Bahn vor der Nase wegfahren zu sehen. Vielen Dank, dafür.

Ich bin mir sicher, es gibt einen mega logischen und nachvollziehbaren Grund dafür. Dieser Grund ist mir als Fahrgast aber scheissegal. Ich hasse den HVV jedes einzige Mal, wenn ich diese Strecke fahre und wegen dieser Lösung länger für meinen Weg brauche, als nötig. Niemand steht drauf, wenn andere Leute einem die Zeit stehlen. Ihr stehlt mir wertvolle Lebenszeit. Ich fahre diese Strecke nur noch mit dem Fahrrad, weil ich mit dem Fahrrad schneller bin. Denkt da mal drüber nach.

Fahrkarten und Mobilität

Hat auch nur einer von euch eine Ahnung, wann man für eine Fahrkarte 1,50 euro, 2,50 oder 3,50 bezahlt? Ich auch nicht. Ja, ja. Hat mit Zonen zu tun. Aber so richtig schnallen tut das niemand.

Ich habe bisher viele Städte mit besseren Konzepten gesehen. Egal, ob Hong Kong, Bilbao, Barcelona oder Taipei.In Taipei zum Beispiel bezahlt man beim herausgehen für die zurück gelegt Strecke. Was super ist und sich easy anfühlt. Dagegen fühlt sich Bahnfahren in Hamburg ein bisschen zurück geblieben an. Und das Beste habe ich noch gar nicht erwähnt: Fahrkartenkontrollen werden fast überflüssig.

Was ist eigentlich switchh?

Kennt das jemand? Nutzt das jemand? Dachte ich’s mir doch. An und für sich ist switchh eine großartige Idee und bestimmt auch ein super Service. Mich würde aber schon mal interessieren, wie viele Leute diesen Dienst überhaupt nutzen.

ohitsanico HVV switch

Ich könnte noch über die Fahrkartenkontrolleure haten und darüber, dass die Kontrolleure einem weder zuhören, noch eine Ahnung von den Services des HVV haben – aber das weiß ja eh jeder Hamburger. Und ich hab keine wirklich Lust, weiter über meinen geliebten HVV zu lästern. Aber denkt noch mal ein bisschen nach und seid nicht so altbacken.

Tschüss.

Lass mich an deinen Gedanken teilhaben.

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